WDR
WDR So. 26.07.
Doku
Barbara Dechange (Mitte) machte mit ihrer Tochter Lynn (links), Schwester Luisa einen Besuch in den Münsteraner Zoo. Auf dem Rückweg geriet sie mit dem Auto in den Starkregen und hielt auf dem Seitenstreifen. WDR/Dierk Fechner
Volkhard Schefter war mit dem Auto auf dem Weg nachhause, als er in einer Unterführung im Wasser stecken blieb. Wegen einer Behinderung konnte er sich nicht selbst befreien und das Wasser stieg. Im letzten Moment schoben ehemalige Schüler des pensionierten Lehrers seinen Wagen aus dem Wasser. WDR/Dierk Fechner
Heinrichs, Taucher der Münsteraner Feuerwehr fand den ertrunkenen Rentner im dunklen, vollgelaufenen Keller. WDR/Dierk Fechner
Die Künstlerin Luzia-Maria Derks wurde von den Regenfluten aus dem Souterrain-Atelier gespült. Binnen weniger Minuten stand sie bis zum Hals im Wasser. WDR/Dierk Fechner
Bei Sturm und Regen krachte ein dicker Baum auf ihr Auto. Glück im Unglück: mit nur leichten Blessuren konnten sie sich nach einer Weile aus dem Auto selbst befreien. WDR/Barbara Dechange
Als alles aufgeräumt war, bedankte sich Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe bei allen Helfern mit einem Fest auf dem Prinzipalmarkt. WDR/Stadt Münster
Sebastian Nauschwitz (links), Katrin Balder (Mitte) und Robin Hartkemeyer (rechts) waren der innere Kern der Facebookgruppe "Regen in Münster". Sie steuerten die Hilfseinsätze hunderter Helfer. WDR/Dierk Fechner

Die Wetterkatastrophe von Münster

  • D 2022
  • 45'
Dokumentation

Inhalt

Die Meteorologen hatten für den 28. Juli 2014 vor starken Regenfällen gewarnt. Bis zu 100 Liter auf den Quadratmeter könnten es werden. Das wäre für Münster ein neuer Hochwasserrekord. Doch wie sagt der Volksmund: in Münster regnet es oder es läuten die Glocken. Soll es doch regnen... Doch es wurde dramatisch: Die regnerischen Wolken zogen nicht weiter und blieben praktisch wie geparkt über der Stadt stehen. Binnen sieben Stunden ergossen sich mehr als 40 Millionen Kubikmeter Wasser über Münster. 26 mal mehr als die Kanäle und Wasserläufe aufnehmen können. Das Wasser stand teilweise hüfthoch auf den Straßen. Die Häuser liefen voll. Die Feuerwehren hatten den größten Einsatz seit Ende des zweiten Weltkrieges. Bewohner von Souterrainwohnungen konnten sich nur noch durch das Fenster retten, weil das Wasser die Türen blockierte. Für manche ging es zu schnell. In Münster Kinderhaus starb ein 76jähriger Mann, nachdem das Wasser die Kellerfenster bersten ließ. Einem Autofahrer wurde ein Bach zum Verhängnis, der eigentlich nur 20 cm tief ist, doch nach den Regengüssen zum reißenden Fluss geworden war. Die Ems war an diesem Tag von 1,30 auf 6,50 Meter gestiegen und überflutete das 17 Kilometer nördlich von Münster liegende Greven. Die Stadt wurde komplett gesperrt. Bis Mitternacht regnete es fast ununterbrochen. In dieser Nacht zeigte sich eine den Münsteranern bislang nicht bekannte Hilfsbereitschaft. Junge Leute boten über soziale Medien ihre Hilfe an. Binnen 24 Stunden schlossen sich der Facebook-Gruppe "Regen in Münster" 3.000 Menschen an. Zahllose Keller und Wohnungen mussten leergepumpt und ausgeräumt werden. Und die Zeit war knapp, denn im Wasser entwickelten sich Bakterien und es begann zu schimmeln. Ganze Viertel stanken modrig. Auf den Straßen türmten sich die Müllberge. Nach nur drei Wochen waren es schon 10.000 Tonnen. Sonst sind es im ganzen Jahr durchschnittlich 6.000 Tonnen Sperrgut Großes Glück hatte Barbara Dechange mit ihrer Familie, die im Auto von einem Baum umgestürzten Baum begraben wurde. Am 28. Juli feiert sie jetzt immer ihren zweiten Geburtstag. Die Dokumentation von Lothar Schröder erzählt auf berührende Weise über ein Unwetter, das in Münster niemand mehr vergessen wird.

Sendungsinfos

Von: Lothar Schröder Redaktion: Adrian Lehnigk Untertitel, Hörfilm, Stereo
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