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ZDFinfo Sa. 19.09.
Doku
Aus einem Rohr strömen zu DDR-Zeiten toxische Rückstände der Uranerzaufbereitung in Seelingstädt in einen riesigen Schlammteich. Die "Wismut" hinterlässt hier über 100 Millionen Kubikmeter kontaminierte Altlasten, die bis heute aufwendig saniert und überwacht werden müssen. ZDF/Michael Beleites
Der Uranabbau unter Tage ist Schwerstarbeit. Mit Pressluftbohrern treiben die Bergleute Löcher für die nächsten Sprengungen ins Gestein. Über Jahrzehnte entsteht so ein gewaltiges unterirdisches Stollennetz. ZDF/Wismut GmbH
Mit schwerem Gerät wächst das Stollennetz tief im Erzgebirge. Jeder Förderwagen bringt die "Wismut" ihrem Ziel näher: möglichst viel Uran abzubauen für den Rüstungswettlauf der Sowjetunion mit den USA. ZDF/Wismut GmbH
Ein riesiger Damm trennt das thüringische Dorf Culmitzsch von den Schlammbecken der Uranaufbereitung. 1962 kommt es zur Katastrophe. Der Damm bricht, eine radioaktive Flut wälzt sich auf das Dorf zu. ZDF/Reinhard Poltsch
Beim Ausblasen der Bohrlöcher schießt radioaktiv belasteter Gesteinsstaub in den Schacht. Ein tödliches Risiko für die Kumpel, doch die Folgen spüren sie erst Jahre später. ZDF/LUMALENSCAPE GmbH, Urheb

Tödliches Erbe der DDR - Deutsches Uran für Moskaus Bomben

Strahlende Gefahr

  • D 2026
  • 45'
Dokumentation

Inhalt

Bis 1990 liefert die DDR Uran für Moskaus Atombomben - mit drastischen Folgen für Mensch und Umwelt: Dörfer verschwinden, Landschaften werden radioaktiv verseucht, Bergleute erkranken. Die "Wismut" im Erzgebirge ist zeitweise der größte Uranbergbaubetrieb der Welt. Die Jagd nach dem radioaktiven Metall bezahlen viele Kumpel mit dem Leben. Die Sanierung der strahlenden Altlasten kostet bis heute Milliarden. Eine Mammutaufgabe für Generationen. Im atomaren Rüstungswettlauf mit den USA fordert die Sowjetunion von der DDR immer mehr Uran. Bis 1990 werden mehr als 216.000 Tonnen Uran geliefert. Das Uran aus dem Erzgebirge ist unverzichtbar für Moskaus Atomprogramm. Um den Uran-Hunger zu stillen, wird der Bergbau auf Thüringen ausgeweitet. Die Konsequenzen für die Region sind drastisch: Häuser stürzen ein, ganze Dörfer werden abgerissen. Radioaktive Abfälle werden in offene Gruben gekippt, chemische Laugen in Flüsse geleitet. Dramatisch ist es im Dorf Culmitzsch. 1962 bricht dort nachts der Damm eines riesigen Schlammbeckens, in dem Abfälle aus der Uranaufbereitung lagern. Eine radioaktive Flut ergießt sich Richtung Dorf, kontaminiert das Erdreich und den Fluss. Die DDR-Führung lässt Culmitzsch räumen und später abreißen. Was bleibt, ist eine Sperrzone. Die Umweltzerstörung ist nicht zu übersehen - offiziell ist sie tabu. 1987 filmt der Bürgerrechtler Michael Beleites heimlich die radioaktive Verseuchung. Seine Recherchen geraten in den Westen und er ins Visier der Staatssicherheit. Am schlimmsten trifft es die Bergleute. Sie arbeiten unter Tage mit radioaktivem Erz, atmen uranhaltigen Staub und Radongas ein. Der Uranbergbau fordert Tausende Opfer. Viele Kumpel erkranken, manche sterben. Die Diagnosen ähneln sich: Staublunge, Gelenkschäden, Lungenkrebs. Das Lungenkrebsrisiko unter Uranbergleuten sei etwa doppelt so hoch wie in der Allgemeinbevölkerung, sagt die Epidemiologin Michaela Kreuzer vom Bundesamt für Strahlenschutz. Doch der Nachweis eines Zusammenhangs ist schwierig. Tausende Kumpel kämpfen bis heute um die Anerkennung ihrer Erkrankungen als Berufskrankheit. Erst nach dem Mauerfall endet der Uranabbau im Erzgebirge. Die Sowjetunion zieht sich zurück und hinterlässt eine geschundene Landschaft. Die Sanierung der gigantischen Altlasten ist ein Milliardenprojekt, das die Region noch für Jahrzehnte prägen wird. Uran aus dem Erzgebirge macht die Sowjetunion zur Atommacht. Doch der Preis für die Jagd nach dem radioaktiven Stoff ist hoch: Bis heute sterben Bergleute an Krebs, ganze Dörfer sind verschwunden, Landschaften verwüstet. Die einzigartige Geschichte der "Wismut" wirkt bis heute nach.

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